70 Jahre TTKV Harburg Land - Ein Rückblick

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70 Jahre Tischtennis-Kreisverband Harburg Land – ein Rückblick

Ein Rückblick über den Tischtennissport der vergangenen rund 70 Jahre kann immer nur ein Auszug sein, bei dem weit zurückliegende, besondere Ereignisse vielleicht gar nicht dokumentiert wurden und so bei dieser Zusammenstellung fehlen...

Tischtennis im Landkreis – die Gründung:
1949 wurde der Tischtennis-Kreisverband (TTKV) Harburg Land, der bei seiner Entstehung Tischtennis-Fachverband im Landkreis Harburg hieß, gegründet. Vertreter von sieben Vereinen, darunter MTV Winsen, TSC Winsen-Borstel und TSV Stelle trafen sich an einem Herbstabend im ehemaligen Gasthaus Porth in Stelle. Der Gastwirt Heinrich Porth war übrigens der Großvater des heute beim MTV Obermarschacht spielenden Peter Radwe...
An diesem „Gründungstisch“ saß damals auch ein 15jähriger Steller Junge, der heute 85jährige Werner Mohr.
Erster Vorsitzender des TTKV wurde Kurt Schmidt. Seine lange Ära endete 1988 auf dem Kreisverbandstag in Handeloh. Unter der Rubrik „Tischtennisfunktionäre“ hat der spätere Ehrenvorsitzende natürlich einen weiteren Platz.

Der Anfang:
Unter welchen, aus heutiger Sicht, kuriosen Umständen der Tischtennissport Ende der 1940er Jahre startete kann sich heute kaum ein junger aktiver Sportler vorstellen. Aus Sparnholzplatten entstanden Tische, Gummis aus Einweggläsern wurden warm gemacht und zu Bällen geformt, abgesägte Gardinenbretter zu Netzen erklärt. Das erste Spielgerät war ein Schläger aus Kork. Da es kaum Sportstätten gab spielte man meist auf dem Saal der Gaststätten. Oft suchten die Tischtennis-Idealisten die Bälle im Halbdunkel zwischen Stuhlbeinen, wenn sie vorher nicht am Bollerofen dahinschmolzen.
Oder man fand einen anderen „geeigneten“ Ort. So begannen die Fliegenberger ihre Aktivitäten in der Backstube der Bäckerei Hermann Rieckmann.

Die Entwicklung des Sports in Zahlen:
Sieben Tischtennisabteilungen gab es bei der Gründung. Die Entwicklung schritt in den Folgejahren nur langsam voran. 1960 wurde in 20 Vereinen Tischtennis angeboten. Um 1970 gab es einen großen Sprung mit insgesamt 54 Tischtennisabteilungen im Landkreis und rund 3000 Aktiven. Heute wird in 41 Vereinen Tischtennis gespielt.

Die Tischtennisfunkionäre:
Wie in vielen anderen Sportarten wird die Organisation des Tischtennissports bis heute von Freiwilligen übernommen. Unzählige Ehrenamtliche engagierten sich mit großem Einsatz für ihren Sport. Von den vielen „Säulen“, die in den vergangenen sieben Jahrzehnten das Spiel mit mit kleinen, weißen Ball unterstützten und mit ihrem persönlichen Einsatz überhaupt erst ermöglichten, können an dieser Stelle jedoch nicht alle bedacht werden.
Die Lebensleistung des ersten Vorsitzenden ist mit Sicherheit auch in Zukunft nicht wiederholbar. Kurt Schmidt, geboren am 2. Oktober 1920 in Berlin-Charlottenburg, landete durch eine Kriegsverletzung im Winsener Schützenhaus und blieb in der Kreisstadt. Von 1949 bis 1988 führte er den TTKV insgesamt 39 Jahre und war zudem 46 Jahre Pressewart. Als Trainer war er bereits kurz nach Ende des 2. Weltkriegs in mehreren Vereinen im Einsatz und half seinem Liebingssport auch dort auf die Beine.
Als Vorsitzende folgten ihm Udo Bade, der heute den Ehrenvorsitz im TTKV inne hat und Jörn Klein. Bade stand später auch dem Bezirksverband Lüneburg vor und war auch kurzzeitig Präsident des Tischtennisverbandes Niedersachsen. Heute hat der beim TVV Neu Wulmstorf spielende Mark Worthmann die Führungsposition im Kreisverband.

Neben den jeweiligen Vorsitzenden müssen auch einige andere Kreisfunktionäre an dieser Stelle genannt werden. Werner Mohr, inzwischen 85 Jahre alt, führte die Tischtennisabteilung des TSV Stelle von 1951 bis 2001 und setzte sich „nebenbei“ mit großem Einsatz für die Jugend ein. Während seiner Ära als Kreisjugendwart von 1957 bis 1973 war er auch zwischendurch auf Bezirksebene einige Jahre organisatorisch für den Nachwuchs im Einsatz. Als er sein Amt an den Tostedter Heinz Böckenhauer abgab, stiftete er dem TTKV eine Auszeichnung, die bis heute bei jedem Jugendverbandstag für gute Nachwuchsarbeit an Vereine vergeben wird – die Werner-Mohr-Plakette.
Als Sportwart (1993 bis 2001), auch für den Pokalspielbetrieb zuständig und als Staffelleiter im Einsatz beim TTKV, gilt der bereits verstorbene Hans-Dieter Dieterich als einer großen Mitorganisatoren des Sports. Akribisch, ordentlich nahm „Dietle“, der seit 1985 von Hamburg in den Landkreis zog und beim TSV Auetal eine sportliche Heimat fand, sein Ehrenamt war. Und die Zusammenstellung aller Daten in einer ausführlichen und originell kreierten Mappe zum Saisonende beeindruckte. Denn das entstand damals alles auf der Schreibmaschine....

Zeitzeuge, Werner Mohr – Gründungsmitglied des TTKV Harburg Land:
„Heute kaum mehr vorstellbar, wie wir damals begannen...“, erinnert sich Werner Mohr, dessen Lebensleistung unter der Rubrik „Die Tischtennisfunktionäre“ bereits beschrieben wurde. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des TTKV und saß als 15jähriger mit am Tisch, als der Kreisverband entstand!
„Zu den Punktspielen fuhren wir früher mit dem Fahrrad oder auch mal mit der Bahn. Im Winter stand uns ein Tempo-Dreirad-Lieferwagen zur Verfügung. Zwei Mann drängten sich im Führerhaus, die anderen Sportkameraden saßen auf Kisten auf der Ladefläche, die nur mit einer Plane abgedeckt war.“ Am Spielort angekommen, hatte der Begriff „Warmmachen“ damals noch eine ganz andere Bedeutung....“
„Sporthallen im gesamten Landkreis gab es damals genau fünf (Hermann-Maack-Turnhalle des TSV Stelle, MTV-Sporthalle, Eckermannstr. in Winsen, Sportstätte des TSC Winsen-Borstel am Neuländer Weg, Schule Dieckhofstraße in Tostedt, Schulsporthalle in Buchholz, die heute als Jugendzentrum genutzt wird). Als Spielorte diente damals der Saal der Gaststätten oder die Diele eines Kuhstalls. Dabei sahen uns die Vierbeiner offenbar interessiert zu.... In der Bendestorfer Schule räumten wir auch schon mal ein Klassenzimmer leer, stellten dort Böcke auf und legten dort Holzplatten drauf...“

Zeitzeuge, Burkhard Gerlach – Gründer der Tischtennisabteilung des MTV Tostedt:
„Anfang der 1950er Jahre begannen wir mit Freundschaftsspielen gegen Welle und Wenzendorf – das der TTKV Harburg Land schon gegründet war, mussten wir damals gar nicht“, schmunzelte der heute 81jährige Burkhard Gerlach, der die Tischtennisabteilung des MTV Tostedt Anfang der 1950er Jahre gründete und dessen Vorsitz er 45 Jahre inne hatte.
„In den 1990er Jahren hatten wir insgesamt 26 Mannschaften im Spielbetrieb – eine Zahl die heute kaum mehr vorstellbar ist.“ Auch im Kreisverband engagierte sich das MTV-Urgestein als Sportwart und als Sportgerichtsvorsitzender.

Rekorde im Tischtennis:
1980 stellte der MTV Germania Fliegenberg einen bis damals einmaligen Rekord auf, der auch von einem Fernsehteam des NDR unter der Leitung von Jörg Wontorra dokumentiert und in der damaligen Sportschau der Nordschau im dritten Fernsehprogramm gezeigt wurde. Hermann Stoef, Rolf Derbaben, Hermann Timmann und Otto Beecken spielten vom 1955 bis 1980 ununterbrochen in einem Team zusammen, also 25 Jahre. Die Nachbarn vom MTV Hoopte toppten diese Zahl später deutlich und schafften von 1965 bis 2005 insgesamt 40 Jahre. Zu diesem Team gehörten Martin Müller, Rainer Reukauf, Wilhelm Pahl, Paul Loleit und der bereits verstorbene Wilhelm Hirschfeld.
Im September 2016 gelang dem VfL Jesteburg ein bis heute bestehender Altersrekord. Mit einem Durchschnittsalter von 74,8 Jahren traten sechs Akteure des Vereins beim MTV Ashausen 2 zum Pokalspiel an und gewannen dort mit 9:6.
Als gemeinsames Doppel blickten die beiden Stöckter Horst Kettner und Wolfgang Schröder im November 2019 auf eine lange Zeit zurück. Seit 40 Jahren stehen sie nun schon gemeinsam am grünen Tisch.
Seit der Einführung der Deutschen Senioreneinzelmeisterschaften im Jahre 1980 schaffte das Hittfelder Tischtennis-Ass, Ralf Schweneker, in der Altersklasse 40 von möglichen 10 Qualifikationen zum Bundesentscheid genau 8.
Einen nie wieder ereichten Teilnehmerrekord bei den Kreismeisterschaften der Damen und Herren verzeichneten die Organisatoren in der 1983 neu eingeweihten Steller Schulsporthalle am Bardenweg. An zwei Wochenenden spielten 569 Aktive um die Titel. Die Turnierleitung saß im „ersten Stock“, direkt vor den Umkleidekabinen. Die Schiedsrichterzettel wurden an Bändern unten in der Halle festgebunden und dann nach oben gezogen...
Auch bei den Funktionären gab es neben der Lebensleistung von Kurt Schmidts unerreichbaren 39 Jahren als Vorsitzender und 46 Jahren als Pressewart eine weitere, die beeindruckt. Reiner „Dixi“ Brackelmann führte die Tischtennisabteilung seines MTV Hanstedt 53 Jahre, von 1964 bis 2017.

Der Beste im Landkreis:
Als größtes Talent wurde immer Olaf Neese beschrieben. Er gehörte zur goldenen Ära des Winsener Tischtennissports Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre und schaffte mit den Kreisstädtern nach der Verbandsliga auch den kurzzeitigen Sprung in die Oberliga.
Doch besten Akteure die je im Landkreis zum Schläger griffen, spielten auf einer ganz anderen Ebene. Als die Minimeisterschaften in der Saison 1983/1984 nach einer Idee des Tischtennisverbandes Niedersachsen erstmals durchgeführt wurden, stand ein 10jähriger Junge aus Buchholz am Ende des Bundesentscheids auf dem obersten Podestplatz. Kay-Andrew Greil, der erste Deutsche Minimeister, blieb seinem Sport treu und wurde 1991 und 1994 mit TTC Zugbrücke Grenzau auch Deutscher Meister. Der heute wieder beim MTV Moisburg spielende Frank Sternal ging zwar nie, wie Greil, in der 1. Bundesliga auf Punktejagd, doch seine Leistungen über einen langen Zeitraum hinterlassen einen stockenden Atem und großes Staunen zugleich.
Sternal kürte sich 1994 zum Deutschen Jugendmeister im Einzel, auch der beste Studentenmeister im Bundesgebiet wurde er einige Jahre später. 10 Jahre Zweitliga-Spieler im oberen Paarkreuz bei Werder Bremen. 2002 belegte er Platz 2 bei der Bundesrangliste, ein Jahr gewann er die Norddeutsche Meisterschaft im Einzel und im Doppel und die Meisterschaft in Liga zwei mit Werder. Trainiert wurde er früher, dem Bundesnachwuchskader angehörend, vom ehemaligen Bundestrainer Richard Prause. Sternal bezwang am Tisch die gestandene Tischtenniselite Deutschlands. Er schlug Ex-Doppelweltmeister Steffen Fetzner, die ehemaligen Deutschen Einzelmeister Georg Böhm und Wilfried Liek, den damals besten Akteur Englands, Carl Prean und die damals 16jährigen Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov...



Winsens goldene Ära:
In den 1970er Jahren und Anfang der 80er prägten die Winsener den Tischtennissport im Landkreis. Rund 15 Herrenmannschaften standen im Spielbetrieb. Insgesamt gingen weit über 20 Teams bei den Damen, Herren und der Jugend an die Tische. Das beste Team wurde 1979 Meister der 2. Verbandsliga, auch der kurzzeitige Aufstieg in die Oberliga glückte. Dort spielten auch die Damen, aber über einen längeren Zeitraum. Sportliche Größen bei den Herren waren Olaf Neese, Heinz-Dieter Müller und Erich Schmid. Bei den Damen gelten Kerstin Schrötke, Sabine Timm, Christina Baumann, Uschi Schulenburg, Birgit Bergholz und Carmen Küttner als herausragende Spielerpersönlichkeiten, die in der Oberliga auf Punktejagd gingen.
Von 1957 bis 1990 führte Ernst-August Meyer die Abteilung, der viele Strippen zog. So beim Zusammenschluss des TuS Schwinde mit dem TSC Winsen 1965. Auch beim Kreisverband, in dem er nie eine Funktion hatte, aber großen Einfluss, half er 1988 nach dem großen Stühlerücken auf dem Verbandstag bei der Besetzung der Vorstandsposten.

Die derzeit stärksten Teams im Landkreis:
Im Damenbereich bilden die Frauen des MTV Tostedt, die seit der Spielzeit 1995/1996 erstmals in die 2. Bundesliga aufstiegen, das sportliche Aushängeschild. Von der Saison 2000/2001 bis 2011/2012 gehörte das Team der 1. Liga an. Die Herren des TSV Hittfeld sind die beste männliche Mannschaft im Kreis. Sie schlagen in der Verbandsliga Nord auf.

Die vergangenen 20 Jahre:
In den letzten beiden Jahrzehnten gab es viele Veränderungen. Die Ballumfang änderte sich von 38 auf 40 Zentimeter nach der Saison 1999/2000. Die gewohnte Zweigewinn-Sätze-Regelung bis 21 wurde bis zur Spielzeit 2001/2002 ausgetragen. Seitdem endet jedes Match nach drei Gewinnsätzen. Der jeweilige Satz ist dann aber beim 11ten Ballgewinn beendet.
Das Internet begleitet uns wie die Ergebniserfassung jetzt bereits seit der Saison 2004/2005. Die Rangliste in mytischtennis gibt es seit 2010, die QTTR-Werte wurden im Folgejahr eingeführt.
2016, als der Zelluloidball genau 125 Jahre alt wurde, beschloss man das Aus des beliebten Spielgerätes - seit dem 1. Juli 2019 ist der Plastikball nun in allen Ligen und bei allen Wettbewerben der einzig zugelassene Ball in jedem Match.
Bei der Spielklassenreform, die am Anfang der Saison 2019/2020 in Kraft trat, spielen alle Herrenmannschaften in den Kreisklassen jetzt nur noch mit vier Spielern pro Team.
Der Tischtennissport im Landkreis ist organisatorisch gut aufgestellt, das gilt auch für den Jugendbereich. Viele Funktionärshände ziehen an einem Strang und setzen sich für den Erhalt unseres Sports mit großem Engagement ein.

-Ralf Koenecke-

Links

tt-mtvbrackel.de
tus-schwinde.de
tischtennisshop-buschart.de
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